Extraschicht 2010
Besucherrekord - so und ähnlich lesen sich nach der 10. Extraschicht die Jubelarien im Blätterwald. Doch wenn man Pech hatte, konnte man nur wenig sehen und erleben. So blieb diesmal ein schaler Geschmack - nach dem Motto: Schön, daß es die Extraschicht gibt - aber ein wenig dürftig war es schon.
In den letzten Jahren war es so, daß man mit der Ruhrtopcard kostenlos an der Extraschicht teilnehmen konnte. Diesmal war dies anders: Die Karte kostete so 6 €. Also kam erstmals das Thema Geld in den Fokus - und damit gleich die nächtliche Bewertung, ob es sich denn "gelohnt" habe mit der Extraschicht.
Zu allem Mißbehagen fing der Abend recht ungünstig an. Für einen Sommermonat ungewöhnlich niedrige Temperaturen, und am Bochumer Hauptbahnhof fuhr der erste ES12, der uns zur Jahrhunderthalle bringen sollte, einfach mal vorbei. Nun, er hatte eh Verspätung gehabt. Der nächste ES12 hielt ebenfalls nicht, der dritte genauso - so vergingen die Minuten und Minuten. Der vierte ES12, nach mindestens 20 Minuten Warterei, offenbarte sich als zu groß geratene Konservenbüche - aber irgendwie paßten alle Fahrgäste noch rein.
Jahrhunderthalle
Dort lernten wir Helga kennen. Genau genommen ist nicht klar, ob sie tatsächlich Helga heißt oder ob sie bei diversen Anrufen auf ihr Handy mit einer Helga redete. Jedenfalls war sie wenig begeistert über die Preisgestaltung: 12 € im Vorverkauf, 16 € an der Abendkasse - dabei hatte sie eine Radfahrergruppe gesehen, die eine Wandertour machte und doch sicherlich kostenlos auf das Gelände geraten war. Also versuchte die ältere Dame, die entweder Helga hieß oder eine Freundin mit diesem Namen hatte, eben jener klar zu machen, daß sie nicht durch die Kassenanlage gehen, sondern jenen imaginären Radwanderweg suchen solle.
Jedenfalls hatte Helga in verschiedenen Dingen recht: In der Jahrhunderthalle bestand keine Chance, an der Katakombenführung teilzunehmen - die Wartezeit belief sich, so berichtete man, auf über 2 Stunden. Das war gegen 21 Uhr so, ähnlich aber auch zu etwas späterer Stunde. Auch der Einlaß zum Klavierkonzert gestaltete sich äußerst langwierig - war man aber drin, bedeutete das noch lange nicht, daß man einen Platz bekommen konnte. Der Saal war groß, aber es bewegte sich kein Schwein vom Platz (siehe rötliches Foto oben). Okay, hätte ich auch nicht gemacht, wenn ich einen Sitz bekommen hätte... Es war zwar möglich, sich eine Ausstellung mit "Jugendkunst" anzuschauen (der Andrang war da nicht so groß), aber vor den Zelten zu einer Schauspieltruppe standen wiederum die Menschen - diesmal im Nieselregen. Immerhin: Man konnte schöne Fotos machen.
Bergbaumuseum
Auch das Bergbaumuseum wartete kurz vor Mitternacht mit einer langen Schlange für die Fahrt nach oben auf. Die Pyrotechnikshow war schon vorbei und wurde nicht mehr wiederholt, die Horizontalakrobatik war nicht zu sehen, ein einsamer DJ war aktiv - das war's auch schon. Im Kellergeschoß bestand noch die Möglichkeit, in den "Bergbau" abzutauchen - wir zogen es aber vor, uns ein wenig im Shop umzuschauen, kurz durch die Ausstellung im Erdgeschoß zu gehen, den Abend dann aber auch zu beenden.
Auch hier muß die Möglichkeit, interessante Fotos machen zu können, als positiver Aspekt herhalten. Allerdings war es schon schade, daß wir eher den Eindruck hatten, daß mehr oder weniger als Angebot außerhalb des Üblichen nur noch die Fahrt zur höchsten Diskokugel im Ruhrgebiet angeboten wurde - inklusive Wartens.
Fazit
Gibt es irgendeinen Trick, mit dem man vor seiner Wahl, welche Eventstation man besucht, den großen Fang macht? So daß man den Ort besucht, an dem das meiste Remmidemmi, das meiste Tamtam sein wird? Falls ja: Bitte mitteilen! Ansonsten: Es soll ja Stätten gegeben haben, die relativ schwach besucht waren, was ja auch nicht gerade der Burner ist. Andererseits wäre eine Fahrt im Konservenbus ES12 zum Gelsenkirchener Nordsternpark auch nicht so der Knaller gewesen. Insofern haken wir mal die eigene Auswahl der zehnten Extraschicht unter dem Motto "Besser dat als nix" ab. Natürlich besteht die Gefahr, völlig anspruchsvoll zu werden und eine ständige Qualitätssteigerung zu erwarten. Da sollte man bedenken, daß es genügend Landstriche gibt, in denen es einen solchen Riesenevent wie die Extraschicht nie geben wird. Andererseits wäre die Warterei schon nervig geworden, und ohne diese war das Erlebte schon etwas mau.
Übrigens: Die jungen Damen und Herren, die an verschiedenen Stellen eine Art Ordner- und/oder Auskunftsfunktion hatten, waren nett und engagiert. Das machte einen wirklich guten Eindruck.
Und noch eine Anmerkung zu diversen Artikelkommentaren auf derwesten.de: Die Behauptung, daß zu der Extraschicht nur Rentner unterwegs waren, ist völlig haltlos. Es waren sämtliche Altersklassen unterwegs, oder anders formuliert: Sozusagen der gesamte Ruhrpott.
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Kommentare
Das war in den letzten Jahren halt sehr unterschiedlich . In den Vorabbeschreibu ngen steht ja nicht, wie GUT etwas ist, man kann da nur rätseln und hoffen. Ich habs unterschiedlich erlebt, mal war es bombastisch, mal ganz okay. Aber wo ich dir zustimme, ist: einen solchen Andrang wie diesmal habe ich bei den letzten 8mal auch nicht erlebt.