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Textilfabrik Cromford, Ratingen PDF Drucken E-Mail
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SchwachPerfekt 
Erlebnisberichte - Industriekultur
Geschrieben von: ruhrpott-aktiv   
Sonntag, den 30. September 2007 um 00:00 Uhr

Textilfabrik Cromford Ratingen

Auf Hertha höre ich äußerst ungerne. Hertha redete sich wieder einen Mist zusammen, machte mir aber eine riesige Freude. Und Hertha war schuld an der Gestaltung unseres heutigen Events.

Wer ist Hertha? Hertha ist mein Navigationssystem. Und das hat so seine Macken - "in 190 Meter wenden" mitten auf der Autobahn ist ein Klassiker, und insofern ignoriere ich manchmal seine Ansagen. So auch heute Mittag, als die Textilfabrik Cromford angesteuert werden sollte und der finale Abzweig, das hätte sogar ein Blinder gesehen, in eine Sackgasse geführt hätte.

Nach einer kleinen (hüstel) Irrfahrt stellte sich heraus, daß sich Hertha doch nicht geirrt hatte - so aber stellte sich heraus, daß ganz in der Nähe der Textilfabrik die Wasserburg Haus zum Haus ist (die wir später noch besuchten) sowie... Tataaaa... der "Märchenwald"! Ich erkannte sogar den Eingang wieder!

Als sechsjähriger (oder so) war ich von meinen Eltern dort hingeschleppt worden, und ich habe noch heute gute Erinnerungen daran. All die Jahre, all die Jahrzehnte (schluchz) wollte ich ihn wieder besuchen - doch wie finden? Hertha sei dank weiß ich nun, wo er sich befindet - und schon bald, so schwöre ich jetzt vor meinem Millionenpublikum, werde ich ihn aufsuchen. Gerne würde ich mich hinfahren lassen und auf der Fahrt mit Weintrauben gefüttert werden - die Zeit im "Märchenwald" würde ich gerne in einer von meiner Begleitung organisierten Sänfte verbringen - so verwöhnt und in Stimmung gebracht würde ich im Gegenzug ein hochaktuelles Märchen spontan erfinden und zum Besten geben.

Doch nun zum Event. Es hätte nicht viel gefehlt, und wir hätten unter den Teilnehmern einen Männerüberschuß gehabt. Schon früh beobachtete ich amüsiert das Spiel der Geschlechter: Das Balzen einerseits und auf der anderen Seite das schüchterne sich-zurückziehen oder das megacool sein. Zu meiner Zeit hätten die Damen charmant gelächelt und ein Taschentuch fallen gelassen - heutzutage muß der Herr dick auftragen, damit sich bei der Dame überhaupt eine Regung zeigt.

Doch genug der Tanderei, denn der Leser interessiert sich für Fakten. Das Wetter war wie bestellt und bei unseren Events nicht anders gewohnt sonnig-bestens - glückliche Fügung hingegen war, daß wir in der Textilfabrik an einer Maschinenvorführung teilnehmen durften. Damals, so dürfte jedem Teilnehmer bewußt geworden sein, muß es äußerst hart gewesen sein, in einer Tuchfabrik zu arbeiten. Diese konnten durchaus auch mal abbrennen. Die Arbeiter bestanden zum größten Teil aus Kindern (6-15 Jahre), die zwar gut bezahlt wurden - deren Lohn aber nur 1/12 des Lohnes für Männer ausmachte. Die Arbeit war anstrengend, gearbeitet wurde 12 Stunden am Tag, und nach 2-3 Jahren war die Gesundheit durch die herumfliegenden Baumwollteilchen ruiniert. Welche katastrophalen Umstände sonst noch herrschten, soll hier nicht weiter erwähnt werden, sondern dem geneigten Besucher vorbehalten bleiben.

Zum Service: Die Parkplatzsituation ist nicht ganz so hervorragend, aber man darf fotographieren, und es gibt je einen Shop und ein Cafe. Die drei Damen, die heute ihrn Dienst taten, waren äußerst freundlich und zuvorkommend - danke dafür! Einen kleinen Wermutstropfen (grins) gab es dennoch: Als eine Teilnehmerin in Aussicht stellte, daß sie original-uralte-superwertvolle Brüggelmann-Wäsche spenden könne, konnte ihr leider keine Eintrittskarte auf Lebenszeit zugesagt werden. Lachen

Nach einem Spaziergang zur Wasserburg schauten wir uns noch die "Temporäre Installation Bleichwiese" an. Diese befand sich auf einem großen Feld und bestand aus einem rondellartig angelegten Blumenbeet, um das herum einige Wäschestücke aufgespannt waren. Unter den Teilnehmern unseres Events war die Meinung weit verbreitet, daß die ganze Komposition doch mehr danach aussähe, als ob ein Nachbar seine Wäsche zum trocknen aufgehängt habe. Das hätte man auch selber gekonnt, sich aber nicht getraut, es Kunst zu nennen - außerdem sei der Weg über das Feld zu der verhältnismäßig kleinen Installation beschwerlich und matschig gewesen, und hätte die Schuhe ruiniert.

Tja, so ist das nun mal mit Kunstbanausen. Lachen Wie auf dem obigen Foto unschwer zu erkennen ist, wird in der Installation sinnbildlich die Burg des eigenen Seins dargestellt - zur einen Seite geschützt vor Feinden, zur anderen Seite (Rückseite des Fotographen) offen für Neues. Auf der Meta-Ebene spiegeln sich hier die Gesetze des Kosmos wieder: Da, wo Du bist, ist es am schönsten. Setze Grenzen. Überwinde Grenzen, denn dies ist leichter als gedacht. Sei offen für Bewährtes und Neues. Und in der Quintessenz: Mach mit bei ruhrpott_aktiv! Lachen

Fazit: Trotz der etwas prekären Parkplatzsituation ein lohnenswerter Ausflug.

Facts (Stand 1.4.09):

RIM Schauplatz Ratingen
Cromforder Allee 24
40878 Ratingen
Fon: 01805 - 743465 (0,14 Euro/Min.)
Fax: 02234 - 9921300
www.rim.lvr.de / Wikipedia

Öffnungszeiten
Di-So 10-17 Uhr.
Eintritt: 3 € / Mit Ruhrtopcard kostenlos

Fotos: Oben Textilfabrik Cromford, Mitte Bleichwiese, unten Wasserburg Haus zum Haus

Alle Angaben ohne Gewähr! / Routenplaner

 

Kommentare 

 
#2 RE: Textilfabrik Cromford, RatingenKunstkenner 2010-02-26 13:31
:zzz Laß sie doch! Haben doch sonst keine Chance, ein bißchen Luxus zu genießen... :lol:
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#1 RE: Textilfabrik Cromford, Ratingenkunstbanause 2010-02-10 16:39
unglaublich, womit manche künstler geld verdienen wollen! :eek:
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