Tuchfabrik Müller
Weil es auf dem Weg lag und sich im Programm der ruhrtopcard befindet, ging es in das LVR-Industriemuseum in Euskirchen. Das Navi hatte stärkere Findungsschwierigkeiten, und die Suche wurde schon etwas verbissen. Na, das würde ja was werden... Regen, eine alte, baufällige Fabrik, nur während einer Führung betretbar - doch dann wurde alles ganz anders.
Von aussen ist von der alten Tuchfabrik erst mal nichts zu sehen - im Gegenteil, es wirkt sehr modern mit Eingang (Fotos: Mitte), Selbstbedienungscafe (links) und Fahrradstation (rechts, nicht zu sehen). In den Vorräumen kann man sich bereits Einiges anschauen, es gibt auch einen kleinen Shop - die alte Fabrik selber kann man aber nur während einer der stündlichen Führungen betreten. Die allerdings begann etwas holprig. Der Treffpunkt befände sich im Innenhof - es gab aber keine Ausschilderung, dafür aber eine Führung, die scheinbar vor der angekündigten Zeit begonnen hatte. Es stellte sich heraus, daß es sich um eine bereits laufende Führung handelte - auch tauchte aus dem Regen eine Leiterin auf, die sich dann unserer kleinen Gruppe annahm.
Nach einem etwas holprigen Start (Videoaufnahmen seien unerwünscht, weil manche Museumsführer nicht gefilmt werden wollten - es war aber niemand mit einer Videokamera anwesend) wurde es richtig gut. Sehr anschaulich wurde geschildert, daß die Auftragsbücher der alten Tuchfabrik Müller lange Zeit voll waren ("Beamtentuch"), wie die Unternehmerfamilie lebte, daß und wie eine einzige Dampfmaschine Energie für die ganze Fabrik lieferte, und vor allem unter welchen Umständen die Arbeiter gearbeitet haben müssen. Eine Besonderheit der Ausstellung ist, daß man mit ehemaligen Beschäftigten Interviews geführt hat und diese als Zitate auf weissen Streifen, die an Maschinen befestigt wurden, nachzulesen sind. So ging es vom Erdgeschoß über die historische (und etwas steilere) Treppe hinauf bis auf den Dachboden - die Fabrik war bis auf den letzten Meter effektiv genutzt worden. Während der Führung wurden auch einige Maschinen aktiviert, und so bekamen wir einen gewissen Einblick, welchen Lärm es wohl damals gab, welchen Gestank (z.B. wegen der Farbstoffe und Säuren) man aushalten mußte, und wie die Decken gebebt und gewackelt haben müssen. Noch heute riecht man die Maschinen, und an einer Decke sieht man noch schwarz gefärbtes Packpapier, das das Öl, das aus den Maschinen aus der Ebene darüber tropfte, auffing.
Die Führung sollte 75 Minuten dauern - sie ging länger, und es hätte vermutlich noch mehr erzählt werden können. Danke dafür - und daß auch alle Fragen umfassend beantwortet wurden.
Facts (Stand 1.4.11):
Carl-Koenen-Straße 53881 Euskirchen Fon: 02234 9921555 Fax: 02234 9921300
Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa & So 11– 18 Uhr. Feiertage siehe www.industriemuseum.lvr.de. Die Tuchfabrik ist nur mit Führung zu besichtigen. Führungen (ohne Voranmeldung): Di – Sa 11/14/15.30 Uhr, So 11/12/13/14/15/16 Uhr
Eintrittspreis: 7 € u.a., mit ruhrtopcard einmalig frei
Webseite / Wikipedia
Bücher zur Tuchfabrik Müller
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Kommentare
aufgrund Ihres Berichtes haben wir am Wochenende die ehemalige Tuchfabrik in Euskirchen besucht und fanden es dort sehr ansprechend. Danke für Ihren Artikel, der uns zu diesem Ausflug motiviert hat.
Mit freundlichen Grüßen,
Familie W.