Kioskwallfahrt in Wattenscheid und Bochum
Daß das Ruhrgebiet ein Hort der Kioske ist, weiß Jeder, der dringend abends noch ein Bier, Zigaretten oder sonstwas benötigt. Daß die Kioske aber auch immer mehr vom aussterben bedroht sind, ist zu befürchten. Also bot es sich an, sich die bestehende Vielfalt vor Ort und im Rahmen einer "Schlender-Wanderung", offiziell als "Kioskwallfahrt" bezeichnet, anzuschauen. Es wurde überraschend.
Diese Art Stadtführung wird von dem Schauspieler Giampiero Piria durchgeführt und mit interessanten Informationen gewürzt. An den Kiosken selber hingen Kunstwerke von Wolfgang Schlott, der auf unserer Webseite an anderer Stelle vorgestellt wird. Bei dieser Veranstaltung war ein freier Mitarbeiterstab des WDR dabei sowie mehrfach die örtliche Presse; auch aus anderen Gründen war die Führung für den Chronisten recht lebhaft, so daß es etwas schwierig wurde, all die Häppchen fehlerfrei auf ein DIN A4-Blatt mit einem Handteller als Unterlage zu notieren. Nun, es sei das an Fragmenten wiedergegeben, was sich aus den Hyroglyphen noch ableiten läßt. 
- Das Wort "Kiosk" kommt aus dem Türkischen, heißt dort aber "Pavillion".
- Die Bude bot früher eine Tätigkeit für Bergarbeiter, die nicht mehr unter Tage arbeiten konnten.
- Der Kiosk steht noch für den persönlichen Verkauf.
- In Deutschland gibt es ca. 40.000 Kioske, davon um Ruhrgebiet 12.000.
- In Frankfurt heißen die Kioske "Wasserhäuschen".
- Giampiero: "Es ist das sehenswert, was wir als sehenswert erachten."
Der Rundgang

Hier war der Startpunkt: Der Kiosk in Südfeldmark am Bismarkplatz, in der Nähe der Zeche Zentrum.

In Bochum im Bereich Querstr./Marienstr. Dieser Kiosk wurde in die "Wallfahrt" aufgenommen, weil der Inhaber während einer anderen Stadtführung die Gruppe zufällig gesehen und trotz Urlaubs seinen Kiosk geöffnet hatte.

Wattenscheid, Parkstr. Es wurde vermutet, daß es sich hier um das ehemalige Teehaus einer daneben stehenden Villa handeln könnte.

Am Beisenkamp. Kiosk unter deutsch-türkischer Leitung, im Angebot u.a. Filzpantoffeln (!!) und mit einer für einen Kiosk sehr umfangreichen, untypischen Zeitungsauswahl.

Bei Karlstr. Mit Kaffeebar/Pub, innen.

Magdeburger Str. Zitat Giampiereo: "Hier fahren die dicken Schlitten vorbei." 
Wie man sieht, sind die Buden im Ruhrgebiet allein schon äußerlich sehr unterschiedlich. Auf knapp über 5 Kilometern (lt. GPS-Uhr), die in einer Netto-Gehzeit von 1 Stunde 18 Minuten bei 26° und dem Verlust von 217 Kalorien bewältigt wurden, gab es eine Menge zu sehen und zu hören. Der größte Dank gebührt übrigens Elke, der Inhaberin des letzten Kiosks. Da die App im Smartphone des Chronisten nicht so recht den Rückweg zum Parkplatz anzeigen wollte, half ihre althergebrachte Beschreibung inkl. kurzem Mitgehen zur nächsten Kreuzung auf den rechten Weg. 
Fazit:
Interessante und entspannte Veranstaltung.

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Kommentare
Es geht doch nicht darum, wie teuer etwas an der Bude ist oder nicht. Es geht darum, daß der Kiosk ein Kulturgut des Ruhrgebiets war und ist. Hier haben sich die Kumpels getroffen, und hier trifft man sich auch heute noch, wenn es auch nicht mehr unbedingt die Bergleute sind. Es geht um Historie, Ursprung, Wurzeln. Auch wenn der heutige Budenbetreiber nicht mehr aus dem Bergbau stammt und vielleicht weit und breit keinen Kumpel kennt, weil er Handel betreibt und sonst nichts - das, was die Bude mal an Bedeutung hatte und auch heute noch hat, das gehört zum Revier wie Pommes und Bier.